Tage in Ungewissheit

27. Juli 2016 0
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Ein ganz persönlicher Eindruck

Wenn man ein Haus kauft, kauft man es nicht einfach so. Man hegt Träume, und plötzlich steht es da – dein Traumhaus! Liebe auf den ersten Blick war es ehrlich gesagt nicht, aber der zweite ließ die Schmetterlinge im Bauch nur so umherfliegen.

Inzwischen wird jeder Tag für mich zu einer Herausforderung. Dank André und unserer tollen Familie, bin ich noch nicht zu einem seelischen Wrack geworden. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, in dem ich mich tagtäglich befinde – Achterbahnfahren mit viel zu vielen Loopings.

Wenn es draußen düster wird und der Regen fällt, läuft man mit Adleraugen durch das Haus und hofft darauf, nicht noch weitere nasse Stellen zu finden.
Wenn die Sonne scheint, lenkt man sich im Garten ab. Und jeden Tag ist man bemüht, im provisorisch eingerichteten Büro (im „Kinderzimmer“) der täglichen Arbeit nachzugehen. Und das ist im Moment das Schwerste für mich. Man sagt immer so schön: „Lenk dich ab, tu was dir Spaß macht … arbeite“ etc. pp. Aber es ist leichter gesagt als getan. Die gesamte Situation ist sehr belastend. Sich unter diesen Umständen 100 %ig auf die Arbeit zu konzentrieren ist mühsam, da ich immer im Hinterkopf habe, dass inzwischen die Schimmelsporen aus dem Untergeschoss nach oben gezogen sind.

Ich habe inzwischen stets das Gefühl, dass diese Sporen bereits in meinem Körper sind. Die Angst ist also inzwischen mein täglicher Begleiter. Das alles was wir hier erreicht haben, unser Traum vom Eigenheim – wird, wie wir es ja hier so schön nennen, zum Albtraum. Was passiert, wenn wir all die Kosten, die inzwischen im Raum stehen, aus welchen Gründen auch immer nicht aufbringen können?
Ich will nicht weg aus diesem wunderschönen Ort, dieser tollen Nachbarschaft, und schon gar nicht aus unserem eigentlichen Traumhaus. :,-( Es ist so verflucht schwer im Moment, die Ruhe zu finden und einfach mal abschalten zu können.

Seit Wochen hoffen wir täglich auf den erlösenden Anruf des Gutachters. Dieser gibt einen Termin vor, und dann wird er vorbei kommen und sich alles ansehen. Im Anschluss wird ein Gutachten erstellt. Wie ich nun von unserem Rechtsbeistand erfuhr, ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich dies noch bis mindestens  September hinziehen kann. Das gibt einem so den letzten Rest. Mit jeder Woche mehr, die ins Land zieht, fühlt es sich an, wie ein Schlag ins Gesicht. Nicht nur ich fühle mich hilflos. Auch wenn André derzeit eigentlich verhältnismäßig ruhig reagiert, bin ich sicher, dass es auch in ihm ganz schön brodelt.
Wir sind seit Februar gezwungen zu warten, und dabei zuzusehen, wie der Zustand der Räume sich von Tag zu Tag verschlechtert. Gesundheitsgefährdung, beengte Wohnverhältnisse, hohe Kosten und den Zeitdruck, vor dem Herbst/Winter ein dichtes Haus haben zu müssen, scheint keinen sonderlich zu interessieren. Man fühlt sich hingehalten, nicht ernst genommen – man fragt sich ständig, warum das Gericht / der Gutachter nicht längst reagieren.

Es macht mich wahnsinnig, diese Ungewissheit. Nicht zu wissen, wie schlimm es inzwischen ist, insbesondere in meinem Büro. Was ist mit dem Fundament des Hauses oder dem Mauerwerk insgesamt?! Wer weiß, wo und wie lange sich der Schimmelpilz bereits festgesetzt hat. Es sind beängstigende und furchtbare Gedanken, die einem da durch den Kopf schwirren. Manchmal habe ich das Gefühl kurz vor dem Durchdrehen zu stehen. Und dann ist es André, der es immer wieder schafft, mich zu beruhigen und mir einen kleinen Funken Hoffnung gibt.

Ich hätte so gerne ein Büro – ein Büro, in dem ich Kunden empfangen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass sie hier krank wieder das Haus verlassen. Ein Büro, in dem ich mich wohlfühle, kreativ arbeiten und meine Kunden mit Hingabe beraten kann, wenn es um Grafikdesign, Werbung oder Webseiten-Projekte geht. Es kostet im Augenblick unheimlich viel Kraft und ich kann nur hoffen, dass meine Kunden dies nicht spüren und sich genauso hervorragend betreut fühlen, wie die vergangenen neun Jahre meiner Selbstständigkeit.

So gern würde ich mit meinem Schatz einfach nur dieses Haus genießen, das wir unser Eigen nennen … Ohne Sorgen … ohne Ängste!

Aber daran ist leider immer noch nicht zu denken. Ich fange an, die positiven Dinge zu verlieren, und das, obwohl ich versuche all die Probleme und die Ungewissheit zu verdrängen, und mich darüber zu erfreuen, was wir hier alles bereits geschaffen haben.

Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag

Tage in Ungewissheit - ein persönlich Eindruck
Über den Autor

Jessy

1987 bin ich auf die Welt gekommen. Lange her .... Kreativ und einzigartig bin ich bis heute geblieben. Seit 2007 bin ich selbstständig im Bereich Design und Webentwicklung. 2013 lernte ich den besten Mann der Welt kennen, den ich direkt ein Jahr später heiraten musste, ...damit mir niemand zuvor kommt, versteht sich ja von selbst. ;-) Heute leben wir gemeinsam mit Hui Buh in Schwalmtal, einem kleinen aber unglaublich schönen Ort. Und die beste Schwiegerma der Welt ist nur eine Etage über uns. Klappt das fragt ihr euch? - aber sowas von! :-)

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