Zwischen Albtraum und Realität

30. September 2016 0
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22. September 2016 - Endlich!

Da war er endlich, der langersehnte Tag.
Am 22.09.2016 um 11.00 Uhr besichtigte der vom Gericht bestellte Gutachter die Schäden im und am Haus, die wir bereits im Februar d. J. auf einer von uns erstellten Mängelliste inkl. Fotos festgehalten hatten.

Kaum zu glauben, dass sich so ein Beweissicherungsverfahren derartig in die Länge zieht.
Im Juni d. J. gab es noch einige Regenfälle und nasse Wände. Hinzugezogene Fassadenspezialisten und Bausachverständige waren sich nach Inaugenscheinnahme der Nässeschäden einig, dass es sich um eine undichte Fassade handelt.
Und jetzt, wo der Sommer (auf den wir lange warten mussten) sich in den letzten Wochen in all seiner heißen Pracht zeigte und für sehr trockenes Wetter sorgte, trocknete unser Haus natürlich wieder ordentlich aus. Doch der Schimmel blieb und vermehrt sich weiter.

Zunächst ein paar Fragen...

Der Gutachter begann mit seinen zunächst allgemeinen Fragen, zum Baujahr des Hauses.
Da war schon die erste Hürde, wir wussten von 1980. Der Gutachter hatte 1978 in seinen Dokumenten. Was war denn nun korrekt?! Nach einigen Überlegungen gab es dann die Auskunft, dass diese Zeitdifferenz durchaus sein könnte. Denn es ist möglich, dass das Haus 1978 begonnen wurde zu bauen, 1980 aber erst fertiggestellt wurde. Und weil das Fertigstellungsjahr als „Baujahr“ gilt, war es dann wohl 1980. Ja, man lernt immer was dazu.

Von Raum zu Raum...

Dann ging es auch schon los. Zuerst ins Kinderzimmer, das derzeit unser provisorisch eingerichtetes Büro ist. Er hielt das Messgerät an die Wand und stellte keinerlei Feuchtigkeit fest (logisch nach dem heißen Wetter). Seine Frage, wer denn diese Zahl auf die Wand geschrieben habe (war einer der Bausachverständigen), einen derartig hohen Wert könnte kein Gerät anzeigen, vermittelte uns unterschwellig den Eindruck, als wolle man uns nicht glauben.

Auch die Fotos die ich zur Hand hatte, von den letzten Monaten (die auch den gesamten Verlauf weitestgehend dokumentieren), schienen den Gutachter nicht im geringsten zu interessieren.

Danach ging es in den Keller, der eigentlich ein ausgebautes Untergeschoss ist. In meinem Büro, das inzwischen immer mehr verschimmelt und nach wie vor sichtbar nass, gesundheitsgefährdend und unbrauchbar ist, hat das Messgerät auch direkt seine höchstmöglichen Werte erreicht. Doch niemandem schien dieser Raum wirklich Sorgen zu machen. Ich fühlte mich eigentlich ganz gut am Vormittag, aber als wir an meinem Büro ankamen, ging doch die Verzweiflung mit mir durch.
Zunächst versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, aber ich zitterte und dann brach es aus mir raus. Meine Schwiegermutter nahm mich in den Arm und ich habe André dann mit unserem Anwalt, dem Gutachter und dem Anwalt der Gegenseite in dem Raum allein gelassen. Für mich entpuppte sich dieser Tag weder als Erleichterung, noch als Hoffnungsschimmer. Ich bekam mich kaum noch ein, auch jetzt, wo ich das Erlebte aufschreibe, könnte ich direkt wieder heulen.

Die Herren gingen im Keller von einem Raum zum anderen. Es wurde alles gemessen, dokumentiert und mit Fotos festgehalten. Bis auf die enorme Feuchtigkeit/Nässe in meinem Büro war tatsächlich nirgendwo etwas festzustellen bzw. nachzuweisen.

Es war schlimm.
Ich konnte es nicht glauben, man fühlt sich so enorm hilflos.

Dann kam der Wasserschlauch zum Einsatz...

Vorne am Eingangsbereich wurde die Fassade am Kinderzimmer ca. 10 Minuten bewässert. Ein paar Minuten später wurde von innen erneut gemessen. Das Ergebnis: keine Veränderung. Alles soweit trocken (eigentlich logisch bei der von der Hitze ausgetrockneten Wänden…).

Auf der Gartenseite wurde ebenfalls bewässert, da ja von hier Wasser auf der anderen Seite in die Kellerräume gelangt. Aber man ahnt es sicher schon. Auch hier wurde keinerlei Veränderung festgestellt. Die Hauswand ist ca. 40cm dick, da kann nicht innerhalb weniger Minuten dasWasser ins Haus eindringen.

Das Fazit...

Das Ende vom Lied nach 56 (!) Minuten: Es wird einen weiteren Gutachtertermin geben.
Derzeit wird von Januar / Februar 2017 gesprochen. Wo dies zur Sprache kam, war es wieder vorbei für mich. Ich hatte das Gefühl mitten in einem Albtraum zu sein und hoffte, bloß bald aufzuwachen. Doch weit gefehlt, es war alles echt. Die Odyssee nimmt kein Ende.

Wir haben in unserem Haus im Keller einen vollkommen verschimmelten, nassen Raum, und es befinden sich weitere Räume im Haus, in denen bei Regen Feuchtigkeit eindringt. Und alles was man uns mitteilte war: „Wir werden einen weiteren Termin vereinbaren, ca. Januar / Februar 2017“.
War das ein Scherz?Nein. Das war tatsächlich kein Witz. UND – hinzu kommt ein Punkt, den ich einfach nicht begreife: Wir dürfen nichts tun, nichts dagegen unternehmen. Alles was wir tun können ist zusehen, wie sich zum Winter hin Mauerwerk und Wände verschlimmern können.

Man fühlte sich bei den Äußerungen des Gutachters als Schuldige, obwohl wir die Betroffenen sind, denen doch eigentlich dringend geholfen werden muss. Wir brauchen ein Ergebnis, um die Schäden zu beseitigen und nicht länger in einem gesundheitsgefährdenden Umfeld zu wohnen.
Doch hier sind uns nach wie vor die Hände gebunden.

Da die deutschen Gesetzes-Mühlen nicht zum Vorteil von Betroffenen mahlen, suchen wir nun zusätzlich Hilfe bei den Medien. Wir wollen nichts geschenkt, nur endlich Gewissheit haben, woher die Feuchtigkeit definitiv kommt, damit die Ursachen beseitigt werden können. Mehrere Handwerker kamen zum gleichen Ergebnis, doch bevor auch seitens Gericht/Gutachter und Co keine Klarheit herrscht, können wir nichts unternehmen.

Und es kommt noch dicker...

All das ist aber noch nicht genug. Vor dem Kauf unseres Traumhauses war ja ein Wasserschaden vorhanden. Ein Rohr, das vom Dach durch die Schlafzimmerwand bis in den darunter liegenden Keller geht, war beschädigt. Das wurde bzw. sollte damals von der Versicherung des Ex-Eigentümers übernommen werden und schlussendlich tapezierfähig wiederhergestellt werden. Kurz nach der Beseitigung wurde eine Zwischenwand eingebaut. Somit hatten wir bislang also keine Ahnung, ob das wirklich sachgemäß behoben wurde.
Wir hatten immer mehr ein komisches Gefühl – zumal wir es bei Regenfällen auch im Schlafzimmer tropfen hörten. Und je nach Wetterlage riecht es unheimlich muffig im Schlafzimmer. Das war schlichtweg merkwürdig. Unsere Befürchtung, dass das Rohr nicht ordnungsgemäß wieder in der Wand verputzt wurde, bestätigte sich. Denn wir haben ein Loch in die Zwischenwand gemacht und siehe da … Ein wunderbar schönes graues Rohr, das offen in der Wand liegt, kam zum Vorschein.
So, und wer sich jetzt folgendes Szenario vorstellt: „Es regnet, im Schlafzimmer ist eine angenehme Raumtemperatur und zwischen Mauerwerk und Zwischenwand befindet sich ein offen liegendes kaltes Rohr …“ na? Ganz genau. Je nachdem wie der Temperaturunterschied ist, bildet sich Kondenswasser, und das führt auch noch im schlimmsten Fall dazu, dass wir hinter / an der Zwischenwand bereits ebenfalls Schimmel haben. Und auch hier fühlt sich bislang noch niemand verantwortlich. Nicht mal die Versicherung die den Schaden damals reguliert hat. Die geht sogar so weit und sagt: „Wir haben den Schaden bezahlt und haben nichts mehr damit zu tun“.
Dass die Versicherung aber wahrscheinlich einen Schaden bezahlt, bzw. eine fachgerechte Wiederherstellung und Schadensregulierung übernommen hat, die weder fachgerecht noch vollständig ist,  ist denen vollkommen egal. Und die Leidtragenden sind wieder wir.
Denn bis heute will keiner diesen Schaden ordnungsgemäß beseitigen. Der Gutachter hatte dies nicht auf seiner Liste und somit schien er sich auch nicht dafür zu interessieren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Unsere einzige Hoffnung ist nun, um einen vorzeitigen Gutachtertermin zu erhalten, tatsächlich der Wettergott, der Regen im Gepäck haben muss. Ist das zu glauben?
Denn wenn es regnet und die Feuchtigkeit sichtbar wird, können wir unserem Anwalt Bescheid geben, und der wird sich um einen Termin mit dem Gutachter und der Gegenseite kümmern.

Was wir hier gemeinsam durchstehen müssen, das zerrt ungemein an den Nerven. André ist der Rückhalt der mir stets zeigt und immer wieder sagt, dass wir das hier gemeinsam überstehen werden. Natürlich ist es auch immer wieder ein Thema, wo man sich mal in die Haare bekommt.
Aber wir schaffen es, uns stets gegenseitig aufzufangen, wenn es dem anderen nicht gut geht. Und das ist gerade jetzt im Moment unglaublich wichtig, und ich kann es nicht oft genug loswerden, ich bin unglaublich glücklich einen so tollen Mann und eine so tolle Schwiegermutter hier an meiner Seite zu haben! Und auch der Rest unserer weitverteilten Familie unterstützt uns seelisch wo es nur geht! Das macht unser Traumhaus hier zwar nicht trocken und vollkommen bewohnbar, aber es hilft unserer Seele zumindest einigermaßen gut damit umgehen zu können, und auch an besch……… Tagen ein kleines Lächeln auf die Lippen zu bringen.

Ich habe den Regen auch nicht gerne um mich … Aber drückt uns die Daumen, dass die nächste Regenphase nicht mehr lang auf sich warten lässt. Damit wir endlich etwas tun können und nicht nur zusehen müssen, wie es sich stets verschlechtert.

Der Gutachter-Termin - Zwischen Albtraum und Realität
Über den Autor

Jessy

1987 bin ich auf die Welt gekommen. Lange her .... Kreativ und einzigartig bin ich bis heute geblieben. Seit 2007 bin ich selbstständig im Bereich Design und Webentwicklung. 2013 lernte ich den besten Mann der Welt kennen, den ich direkt ein Jahr später heiraten musste, ...damit mir niemand zuvor kommt, versteht sich ja von selbst. ;-) Heute leben wir gemeinsam mit Hui Buh in Schwalmtal, einem kleinen aber unglaublich schönen Ort. Und die beste Schwiegerma der Welt ist nur eine Etage über uns. Klappt das fragt ihr euch? - aber sowas von! :-)

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